Gegen den Raubbau der Meere: Die Wahrheit über Thunfisch-Konserven
23.12.2008
Das Kontrollprogramm SAFE für "delfinsicheren" Thunfisch wurde vom Earth Island Institute gegründet, um die größte Massenvernichtung von Meeressäugern in der Geschichte der Menschheit zu beenden.
Ein leider immer noch weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Thunfischkonservenindustrie global für den Niedergang bestimmter Thunfischarten verantwortlich ist.
Die mit Abstand am stärksten überfischten Thunfischarten sind der Rote Thunfisch oder Atlantische Blauflossenthunfisch, (Thunnus thynnus), der Südliche Blauflossenthunfisch (Thunnus maccoyii), der Nordpazifische Blauflossenthunfisch (Thunnus orientalis) und der Großaugenthun (Thunnus obesus). Sie alle stehen am Rande des Artentods oder kurz davor. Diese majestätischen Raubfischarten - ein ausgewachsener Roter Thun schafft bei bis zu 5 m Länge und 700 kg Lebendgewicht mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 km/h eine Atlantiküberquerung in nur 40 Tagen - werden als Frischfisch für die Zubereitung als Sushi oder Sashimi gefangen. Japan ist weltweit wichtigster Abnehmer für frischen Thun mit rund 78 Prozent Marktanteil.
Deutsche Thunfisch-Importeure und Delfinschützer leisten Pionierarbeit
?Für uns ist es besonders schmerzlich, dass die deutschen Thunfischimporteure von einigen Umweltorganisationen quasi in Sippenhaft genommen und für den jämmerlichen Zustand der vom Aussterben bedrohten Thunarten verantwortlich gemacht werden", bedauert Frau Dr. Langner, Geschäftsführerin des Waren-Vereins der Hamburger Börse e.V., dem deutschen Fachverband für Importeure von konservierten Lebensmitteln.
Wer sich mit der sehr komplexen Situation beim Fischfang und Handel mit Thunfisch auseinandersetzt, erkennt, dass hier immer wieder gerne mit Simplifizierung und Verallgemeinerung gearbeitet wird. Denn Anfang der 1990er Jahre setzten sich die deutschen Importeure von Thunfisch-Konserven, die im Waren-Verein der Hamburger Börse e.V. vertreten sind, nach einem Boykottaufruf der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) mit eben dieser an einen Tisch und halfen beim Aufbau einer in Deutschland beispielhaften Initiative zum Schutz von Delfinen beim Thunfischfang. Der Waren-Verein ging eine bis heute erfolgreiche Kooperation mit der amerikanischen Umweltschutzorganisation Earth Island Institute (EII) und der vom dreimaligen Weltumsegler Rollo Gebhard gegründeten GRD (München) ein.
Durch die Förderung der Importeure wurde ein weltweites und engmaschiges Überwachungs-System (SAFE) etabliert, um sicherzustellen, dass beim Thunfischfang keine Methoden eingesetzt werden, die Delfine und andere nicht gezielt befischte Arten gefährden. Heute gehört die dem SAFE-Programm angeschlossene Thunfischkonservenindustrie zu den weltweit am strengsten überwachten und kontrollierten Fischereien überhaupt.
SAFE-Standards für "delfinsicheren" Thunfisch
Das Kontrollprogramm SAFE für "delfinsicheren" Thunfisch wurde vom amerikanischen Earth Island Institute (EII) gegründet, um die größte Massenvernichtung von Meeressäugern in der Geschichte der Menschheit zu beenden. Beginnend ab den späten 1950er Jahren hatten Ringwadennetzfischer im Tropischen Ostpazifik mindestens 7 Millionen Delfine als Beifang beim Thunfischfang getötet.
Die 1990 festgelegten SAFE-Standards des EII für "delfinsicheren" Thunfisch wurden in die US-Gesetzgebung übernommen, die Delfinbeifangtragödie im Tropischen Ostpazifik fand damit ein Ende. Unter SAFE ist auch der Einsatz von Treibnetzen, den "Netzen des Todes", kategorisch verboten.
Darüber hinaus unterstützen die SAFE angeschlossenen Thunfischfirmen und ?importeure zusätzliche Maßnahmen zur Beifangreduzierung, wie die Befreiung von mitgefangenen Meeresschildkröten oder das Verbot des sogenannten "Finning" bei Haien (Abschneiden der Flossen bei lebendigem Leibe).
Thunfisch ist nicht gleich Thunfisch
Mit Bedauern und einem gewissen Unverständnis sieht das EII auf die auch in Deutschland in den Medien wiederholten, oft irreführenden Berichte zum Thema Fangtechniken und Nachhaltigkeit beim Thunfischfang. Denn von den am stärksten bedrohten drei Blauflossenthunarten verwendet die deutsche Thunfischkonservenindustrie keine einzige. Hier wird ganz überwiegend Skipjack-Thunfisch (Katsuwonus pelamis) gefischt, der noch nicht einmal zu den eigentlichen Thunarten zählt. Skipjack ist vergleichsweise robust gegenüber fischereilichem Druck, er vermehrt sich schnell und ist durch das derzeitige Befischungsniveau nicht bedroht.
Die beim Fang von Skipjack eingesetzten Ringwadennetze zählen zu den Fischfangmethoden mit den niedrigsten Beifangraten (ungewollter Fang von Nichtzielarten wie Delfinen, Haien oder Meeresschildkröten) überhaupt.
?Es gibt immer wieder Stimmen, die fordern, Thunfischkonserven ganz aus den Regalen zu nehmen. Wir halten das für falsch. Zwar sind Bedenken gegenüber der Fischerei im Allgemeinen legitim und aus der Sicht des Erhalts der besonders stark befischten Arten mehr als angebracht, aber der deutsche Thunfischkonservenhandel, der größtenteils Skipjack-Thun vermarktet, ist sowohl delfinfreundlich als auch nachhaltig. Die Einhaltung der strengen SAFE-Auflagen wird in Deutschland ständig von unserem Kooperationspartner, der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V., kontrolliert. SAFE ist ein Programm, dem der Verbraucher vertrauen kann", erklärt EII-Projektleiter Mark Berman.
Kooperation statt Konfrontation ? für das Leben in den Meeren
Seit über drei Jahrzehnten setzt sich das Earth Island Institute für den Schutz von Walen, Delfinen und anderer Meerestiere ein, damit auch zukünftige Generationen sich noch an ihnen erfreuen können. ?Unser Erfolg beruht maßgeblich darauf, dass wir bei unseren Bemühungen, die schädlichen Auswirkungen der Fischerei auf die Meeresumwelt zu reduzieren, mit internationalen Gremien kooperieren", betont Berman. Seiner Meinung nach habe die Erfahrung gezeigt, dass die deutsche Konserventhunfischindustrie und die deutschen Konserventhunfischimporteure bei internationalen Initiativen zum Schutz von Delfinen, Fischgründen und der Meeresumwelt eine führende Rolle spielen und völlig zu Unrecht für das Aussterben der für Sushi befischten Thunarten zur Verantwortung gezogen werden.
Ohne SAFE wären die Ozeane heute sehr viel leerer, es gäbe weitaus weniger Delfine und auch weniger Thunfische mit den entsprechenden nachgelagerten Folgen für das gesamte Ökosystem der Meere.
http://www.online-artikel.de 2008-12-19
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